Fachleistungsstunde (FLS): Definition, Berechnung und Kontingent
Ambulante Hilfen werden in Fachleistungsstunden bewilligt und abgerechnet. Der Begriff klingt einfach, aber jedes Jugendamt definiert ihn ein wenig anders: Was zählt hinein, wie lang ist die Einheit, was kostet sie.
Was in einer Fachleistungsstunde steckt
Der Kern ist die direkte Arbeit mit dem Klienten: Hausbesuch, Gespräch, Begleitung zu Terminen. Ob mittelbare Tätigkeiten dazugehören, regelt die Leistungsvereinbarung mit dem jeweiligen Jugendamt. Drei Modelle sind verbreitet:
- Nur direkte Zeit: Vor- und Nachbereitung, Dokumentation und Fahrten sind im Stundensatz einkalkuliert, werden aber nicht als Zeit erfasst.
- Direkte und mittelbare Zeit: Ein Anteil mittelbarer Tätigkeiten ist abrechenbar, oft mit Obergrenze.
- Pauschalen oder Tagessätze: Bei bestimmten Leistungen (etwa betreutem Wohnen) gilt ein Tagessatz statt der Stunde; die Abrechnungseinheit ist dann ein Tag.
Für die Verwaltung folgt daraus: Die Abrechnungseinheit gehört zum Preis. „78,21 € je 60 Minuten“ und „165,20 € je Tag“ sind zwei verschiedene Regeln, die in derselben Preisliste nebeneinander stehen können.
Kontingent: Woche, Monat, Gesamt
Das Jugendamt bewilligt einen Umfang, zum Beispiel 10 FLS pro Woche für sechs Monate. Der Träger muss daraus drei Zahlen ableiten und im Blick behalten: das Wochenkontingent (10), das Monatskontingent (je nach Umrechnung etwa 40 bis 43) und das Gesamtkontingent (rund 260). Manche Jugendämter bewilligen als Kontingent über den gesamten Zeitraum ohne Monatsbindung; dann darf der Träger flexibel verteilen, muss aber die Summe einhalten.
Der laufende Stand („32 von 40 Stunden im Oktober“) ist die wichtigste Zahl im Monat. Wer sie erst beim Rechnungsschreiben kennt, hat den Überschuss schon geleistet und bekommt ihn nicht bezahlt.
Von Minuten zum Betrag
Die Rechnung folgt einer festen Kette: erbrachte Minuten des Monats ÷ Abrechnungseinheit = Einheiten; Einheiten × Satz = Betrag. Beispiel: 17 Gespräche mit zusammen 2.280 Minuten, Einheit 60 Minuten, Satz 78,21 € ergeben 38,0 Einheiten und 2.971,98 €. Rundungsregeln (auf Viertelstunden, auf ganze Einheiten) unterscheiden sich je Jugendamt und sollten in der Preisdefinition hinterlegt sein.
Typische Fehler
- Kontingent überschritten, weil Fachkräfte ihre Stunden erst am Monatsende zusammenzählen.
- Zeitüberschneidungen: dieselbe Fachkraft hat zwei Gespräche zur selben Zeit erfasst.
- Falsche Einheit: Minuten mit 60 gerechnet, obwohl das Jugendamt 45-Minuten-Einheiten vereinbart hat.
- Alter oder neuer Preis auf den falschen Zeitraum angewendet.
- Ausgefallene Termine ohne Vermerk, sodass der Nachweis Lücken hat.
Häufige Fragen
Wie viele Fachleistungsstunden werden typischerweise bewilligt?
Für eine Sozialpädagogische Familienhilfe sind 6 bis 12 Stunden pro Woche üblich, für Erziehungsbeistandschaften oft 3 bis 6. Der Umfang folgt dem Bedarf im Hilfeplan.
Zählt ein ausgefallener Termin als Fachleistungsstunde?
In der Regel nicht, es sei denn, die Vereinbarung sieht eine Ausfallregelung vor (etwa bei kurzfristiger unentschuldigter Absage). Der Ausfall gehört trotzdem mit Grund in den Leistungsnachweis.
Was ist der Unterschied zwischen Fachleistungsstunde und Zeitstunde?
Die Zeitstunde misst nur Uhrzeit. Die Fachleistungsstunde ist die vergütete Einheit qualifizierter Fachleistung, deren Inhalt die Leistungsvereinbarung definiert; sie kann mittelbare Anteile enthalten.
So läuft es in Klify
- Kontingente je Klient als Gesamt-, Monats- und Wochenwert; beim Speichern eines Gesprächs wird die Überschreitung sofort gemeldet.
- Preis je Jugendamt und Hilfeart mit Abrechnungseinheit (60 Minuten, 45 Minuten, Tagessatz) und Gültigkeitsdatum.
- Zeitüberschneidungen derselben Fachkraft werden beim Speichern abgewiesen.